Bundesliga

Tim Pütz: „Ich bin im Herzen Medenspieler geblieben“

TKK: Hallo Tim, willkommen zurück! Hast Du die Kurhaus-Familie vermisst?

Tim: Ja, ich habe die Kurhaus-Familie tatsächlich sehr vermisst. Ich hatte eine sehr, sehr schöne Zeit in Aachen. Ich hatte ganz ursprünglich auch mal eine sehr schöne Zeit bei BW Halle. Da wurde irgendwann die Bundesliga-Mannschaft aufgelöst. Danach habe ich großes Glück gehabt ein tolles neues Tennis-Zuhause bei Kurhaus Aachen zu finden, hab da viele neue Freunde gewonnen und habe da als Bundesliga-Spieler schön Jahre erlebt.
Ich hab jetzt einen kurzen Abstecher gemacht zum TC Bredeney. Ohne da jetzt zu sehr ins Detail zu gehen freue ich mich sehr wieder in Aachen zu sein und hoffe, dass wir an die Erfolge der früheren Jahre auch anknüpfen können. Die letzten Jahre waren ja auch alles andere als unerfolgreich.
Ich bin einfach sehr sehr froh wieder in einem richtig tollen Verein zu sein, wo ich mich auf die Spiele freue, auf die Wochenenden, auf die Leute, wo ich noch einige schöne Bundesliga-Saisons spielen möchte.

TKK: In Deiner Karriere hast Du ja schon einige tolle Ergebnisse erzielt. Der Sieg bei den ATP-Finals vor anderthalb Jahren sticht sicher heraus, aber Du hast zwei Masters gewonnen, mit Kevin zwei Mal im Halbfinale des Davis Cups gespielt, ein Grand Slam-Finale gespielt und mit Miyu Kato sogar einen Grand Slam-Titel im Mixed gewonnen. Welchen Stellenwert hat zwischen all diesen Highlights der schnöde Bundesliga-Alltag?

Tim: Das klingt so als sei die Bundesliga so nebenher nicht wirklich ein Highlight. Das ist natürlich sehr individuell, aber ich war immer ein Medenspieler, hab als Kind schon Medenspiele in allen möglichen Altersklassen gemacht und hab da immer sehr großen Spaß dran gehabt.
Das war mir als Kind immer schon sehr wichtig und das hat sich bis heute fortgesetzt. Ich würde das auch gar nicht als „schnöde“ bezeichnen, sondern im Gegenteil ist mir die Bundesliga sehr wichtig und ich hab das Glück mit verschiedenen Vereinen schon mehrfach Deutscher Meister geworden zu sein. Mit Aachen hat das noch nicht geklappt, das wär jetzt auf jeden Fall noch ein Ziel.
Wir haben sehr wenig Spiele als Mannschaft mit diesem Teamgefühl, da ist der Davis-Cup das einzige neben der Bundesliga und allein deshalb ist das etwas sehr besonderes, diese Erfolge zu teilen und bei anderen Spielern mitzufiebern. Das haben wir das ganze Jahr nicht, von daher bin ich im Herzen im Medenspieler geblieben und dementsprechend ist die Liga im Sommer immer ein großes Highlight auf das ich mich sehr sehr freue.

TKK: Über die Jahre hast Du mit verschiedenen Partnern gespielt. Mit Hugo warst Du zum Beispiel auch eine Weile unterwegs. Das waren immer starke Doppel, aber mit Kevin scheinst Du noch einmal auf ein anderes Level gekommen zu sein. Ihr gehört jetzt eigentlich in jedem Turnier zum Favoritenkreis. Was macht den Unterschied?

Tim: Ich glaube, dass da einige Dinge zusammenkommen. Vor allem haben wir uns beide spielerisch so weiterenwickelt, dass wir beide auch individuell gesehen Weltklasse sind. Wir spielen jetzt auch schon viele Jahre zusammen und das Zusammenspiel hat sich in der Zeit auch nochmal weiterentwickelt. Dann kommen häufig gute Ergebnisse bei heraus, so dass wir zu einem der besten Teams der Welt gehören.
Das wäre unter Umständen mit Hugo nicht anders gewesen. Auch er hat sich mittlerweile in der Weltspitze etabliert. Es hat sich nur nie ergeben, dass wir über viele Monate oder gar Jahre zusammengespielt haben. Das wäre auch cool gewesen, der Hugo ist nach wie vor ein guter Freund von mir. Wir verstehen uns super, spielen auch immer mal wieder gegeneinander auf der Tour und von daher freue ich mich umso mehr, dass er auch in der Mannschaft ist in Aachen. Aber leider ist der Hugo keiner Deutscher und daher (lacht) hat es sich mit dem Kevin einfach mehr angeboten, auf der Tour zusammenzuspielen.

TKK: Es gab in der Geschichte des Doppels immer mal Partnerschaften, die alles überragten. Roche/Newcombe, Woodforde/Woodbridge und die Bryan Brothers sind nur einige Beispiele. In den letzten Jahren ist hingegen kaum prognostizierbar, wer im Finale stehen wird, alles wirkt sehr offen. Was zeichnet die Über-Doppel in Deinen Augen aus? Siehst Du bei den aktuellen Teams eins, das das Potenzial hat zu dominieren?

Tim: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass das Doppel mittlerweile gewissermaßen zu professionell geworden ist und dass das Niveau so hochgegangen ist im Vergleich zu den früheren Epochen, dass es vielleicht gar nicht mehr so ein Überteam geben wird wie es die Bryans zum Beispiel waren. Ich kann es mir zumindest schwer vorstellen.
Granollers/Zaballos sind jetzt über sehr viele Jahre vielleicht das beste Doppel, haben aber ewig keinen Grand Slam gewonnen und waren sogar vor zwei Jahren überhaupt zum ersten Mal die Nummer 1 der Welt. Die als Überdoppel zu bezeichnen wäre allerdings vermessen.
Das geht im Doppel mittlerweile sehr sehr schnell, wenn man sich zum Beispiel Cash/Glasspool anschaut, die im November 2024 noch Challenger gespielt haben und im Oktober 2025 waren sie die Nummer 1 der Welt. Ich weiß nicht, ob das früher möglich gewesen wäre.
Das Doppel ist mittlerweile so professionell geworden, dass auch immer mehr junge Spieler das Doppel früh für sich entdecken, sich da reinfuchsen und erkennen, das kann ich gut, das nicht so und dann da Wege drum herum finden. Ich hab das Gefühl, das war früher noch nicht ganz so erschlossen und dementsprechend gab es auch weniger reine Doppelprofis als heute. Wer weiß, ob da nochmal sowas kommt, aber ich kann es mir ehrlicherweise nicht vorstellen.

TKK: Wenn Du unseren Klubspielern, ganz normalen Hobbyspielern, einen Tipp fürs Doppel geben dürftest –Du darfst…– wovon glaubst Du würden sie am meisten profitieren?

Tim: Das ist eine Frage, die werde ich oft gefragt. Ich würde sagen, der wichtigste Tipp ist zu realisieren, was man gut kann und was man nicht so gut kann mit Blick auf Aufschlag oder das Returnspiel oder das Netzspiel usw. und nicht einfach versuchen Doppel zu spielen und ans Netz zu gehen oder unbedingt Serve and Volley zu spielen oder sonst Dinge zu tun, einfach nur weil es heißt, das ist ja Doppel, da muss man ja viele Volleys spielen.
Ne, das finde ich gar nicht. Man kann sehr erfolgreich Doppel spielen, wenn man sich einfach auf seine Stärken besinnt und versucht seine Schwächen ein wenig zu umgehen. Ein häufiger Fehler ist, dass man Doppel spielt und dann auf einmal anfängt zum Beispiel Serve and Volley zu spielen und gar nicht weiß, warum man das tut. „Das macht man halt so im Doppel.“ Aber dann kommen da häufig Situationen raus, die für die Leute unangenehm sind, weil man sie nie trainiert und dann denkt man anschließend vielleicht, „Doppel ist nicht so meins“, dabei hat man einfach nur eine falsche Herangehensweise gehabt.

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