Bundesliga

Neu im Kurhaus-Team: Jakub Paul über Bundesliga, United Cup und Davis Cup

Jakub Paul ist neu im Team des TK Kurhaus Lambertz Aachen. Im Interview spricht der Schweizer über den United Cup, seine Davis-Cup-Erfahrungen, seine Rolle als Teamplayer und seine Vorfreude auf die 1. Tennis-Bundesliga im Kurpark.



TKK: Hallo Jakub, willkommen bei Kurhaus! Der ein oder andere wird sicher beim United Cup auf Dich aufmerksam geworden sein, aber für viele bist Du sicher noch ein Unbekannter. Stell Dich doch mal kurz vor: Wie bist Du drauf und was können wir von Dir auf dem Platz erwarten?

Jakub Paul: Ich würde mich als Einzel- und Doppelspieler bezeichnen. Obwohl es in letzter Zeit im Doppel viel besser gelaufen ist, gebe ich das Einzel noch nicht auf und bin immer noch ready und gebe Gas für beides.

Neben dem Platz bin ich ein sehr ruhiger Typ, sehr entspannt. Aber auf dem Platz versuche ich – vielleicht ist das meine tschechische Seite – aggressiv zu sein. Ich denke, das werdet Ihr auch zu sehen bekommen. Ich hoffe, dass ich gut zeigen kann, dass ich aggressiv spiele und sehr schnell auf den Beinen bin.

Und natürlich ist es eine Ehre, zum ersten Mal in der 1. Bundesliga zu spielen. Dementsprechend möchte ich mich von meiner besten Seite zeigen und mit dem Team den Sieg holen.


Davis Cup Spieler Jakub Paul


TKK: Du hast vor nicht allzu langer Zeit mit der Schweiz im Finale des United Cups gestanden. Angeblich soll ursprünglich geplant gewesen sein, dass Stan und Belinda das Doppel spielen. Dann durftest Du aufgrund der langen Matches von Stan doch im Doppel ran und hast mit Belinda ein entscheidendes Doppel nach dem anderen gewonnen. Man kann es kaum anders sagen: Das war eine dieser kleinen Underdog-Heldengeschichten, für die Menschen Sport lieben. Wie hast Du die Woche erlebt? Wie war es, im Team mit zwei Legenden zu spielen?

Jakub Paul: Das war eine unglaubliche Zeit. Fast zwei Wochen, unfassbar, mit Stan und Belinda im Team zu sein und zu sehen, was sie genau machen, wie sie sich vorbereiten und alles drum und dran. Auch zu sehen, wie ihr Team arbeitet. Das war einfach eine unglaubliche Erfahrung, die ich nie vergessen werde.

Es war eine Riesenehre, jedes Doppel spielen zu dürfen. Das war, wie Du gesagt hast, eigentlich nicht geplant. Ich habe vor der Abreise nach Australien kurz mit Stan gesprochen und er hat gesagt, dass er eigentlich mindestens ein Doppel spielen möchte. Deshalb hatte ich die Erwartung, dass es vielleicht nicht klappen wird. Umso schöner war es, dass ich zum Einsatz kommen durfte. Ich habe natürlich gehofft, dass Stan seine Einzel gewinnt, aber auch ein bisschen gehofft, dass er lange Einzel haben wird, sodass sich meine Chancen erhöhen.

Ich war dann extrem froh, dass ich die Chance ergreifen konnte und direkt auch so gut spielen konnte. Belinda hat es mir sehr einfach gemacht, so gut zu spielen, denn sie spielt auch ein hervorragendes Doppel.

Dann war es noch eine Riesenehre, dass es für Stan ab dem Viertelfinale überhaupt keine Frage mehr war, wer das Doppel spielen sollte. Das war unfassbar, dass ein dreifacher Grand-Slam-Sieger so an mich geglaubt hat.



TKK: Kürzlich hast Du auch ein Davis-Cup-Match für die Schweiz bestritten. Mit der 2:0-Führung im Rücken war der Druck vielleicht ein wenig geringer, aber auch da hast Du wieder abgeliefert und an der Seite von Dominic den Sieg klargemacht. Du scheinst im Einzelsport Tennis ein echter Teamplayer zu sein. Welchen Stellenwert hat es für Dich, jetzt auch in der „besten Liga der Welt“ zu spielen?

Jakub Paul: Kleine Korrektur: Ich bin letztes Jahr in Indien zum ersten Mal zum Einsatz gekommen. Da lagen wir schon 0:2 hinten, aber auch da haben Dominic und ich das Doppel gewonnen. Jetzt im Februar war es natürlich eine einfachere Situation, mit einer 2:0-Führung reinzugehen. Das hat es ein wenig entspannter gemacht, aber auch da ist immer noch der Druck da, das 3:0 zu holen. Im Davis Cup kann immer alles passieren, wenn man eine 2:0-Führung aus der Hand gibt. Da waren wir einfach froh, dass wir die Führung im Rücken hatten.

Was die Bundesliga angeht: Es ist einfach eine Riesenehre, dass ich jetzt da spielen darf. Ich habe davon jahrelang schon ein bisschen geträumt und auch versucht reinzukommen, aber das ist gar nicht so einfach. Darum bin ich extrem froh, dass Ihr mich aufgenommen habt. Ich bin extrem motiviert, mitspielen zu dürfen.

Zum Teamplayer muss ich ganz ehrlich sagen: Ich wäre tatsächlich froh, wenn ich das ganze Jahr Teammatches spielen könnte, weil ich finde, das bringt irgendwas in mir heraus, was ich nicht ganz beschreiben kann. Aber es macht mir extrem Spaß, im Team zu spielen. Für ein Team zu spielen, ist noch mal etwas anderes, als für sich selbst zu spielen. Deshalb spiele ich wohl auch sehr gern Doppel, weil man die Erfolge zusammen feiern kann. Und ich finde, man kann im Team einfach noch mal schöner feiern, wenn man etwas gewinnt.



TKK: In Deutschland gab es in den 80er-Jahren durch die Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf eine unglaubliche Tennis-Begeisterung. Die Klubs wurden von Tennis-Anfängern überrannt. Hat Roger Federer in der Schweiz einen ähnlichen Hype ausgelöst? Und was ist seitdem passiert? Derzeit steht kein Schweizer Mann unter den Top 100, wahrscheinlich zum ersten Mal seit weit über 30 Jahren. Wo ist der Nachwuchs hin?

Jakub Paul: In der Schweiz gab es natürlich auch einen Hype, nicht nur wegen Roger, sondern auch wegen Stan und jetzt auch wegen Belinda. Die haben schon einen großen Hype gebracht. Man hat gesehen, dass viele Junioren wegen ihnen angefangen haben, Tennis zu spielen. Auch ich selbst habe ja eigentlich wegen Roger angefangen.

Aber ja, was ist passiert? Das ist schwierig zu sagen. Ich finde, in der Schweiz werden wir oft mit Roger verglichen, was eigentlich nicht allzu fair ist, weil es Roger Federer nur einmal geben wird. Das ist schon extrem, was er alles erreicht hat. Von daher ist es nicht einfach für uns, wenn wir von jungen Jahren an schon gleich mit Roger verglichen werden.

Ich denke aber, es steht nicht so schlecht um die Schweiz. Wir hatten doch immer wieder Schweizer, die in die Top 100 vorgedrungen sind. Auch Marc-Andrea Hüsler, der Top 50 war, Dominic Stricker, der um Platz 80 stand, oder Henri Laaksonen, der lange in den Top 100 war. Ich bin jetzt auch in den Top 100 im Doppel. Darum finde ich, ist es nicht so extrem, wie es zu sein scheint.

Es kommen auch einige talentierte Junioren von unten rauf. Man sieht, dass sie ganz gutes Tennis spielen, aber der Weg ist natürlich noch lang. In den nächsten Jahren wird sich auch zeigen, was mit Kym, Riedi und Stricker passiert. Die sind auch auf einem guten Weg, nachdem sie einige Verletzungen hinter sich gebracht haben. Aber die werden das sicher auch wieder schaffen. Ich sehe eigentlich keinen Grund, warum wir in den nächsten drei bis vier Jahren nicht wieder drei Schweizer in den Top 100 haben sollten – plus mich im Doppel. Das wäre natürlich wieder extrem gut für das Schweizer Tennis.

Wer Jakub Paul und das Kurhaus-Team live erleben möchte, findet alle Informationen zu den Heimspielen, zum Ablauf und zu den Tickets auf unserer Bundesliga-Seite.

Fotos: Fabian Meierhans

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